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Rückblick auf die Konfirmation 2021 in Bad Grund am 11. Juli >hier
 
Wir freuen uns auf die nächsten Gottesdienste:
29. August 2021, 17:00 Uhr Vorstellung der Konfirmanden in der Maria-Magdalenen-Kirche Wildemann
5. September 2021, 11:00 Uhr Konfirmation in der Maria-Magdalenen-Kirche Wildemann
Sonntag, 19. September 2021, 11:00 Uhr Gottesdienst in der St. Antonius-Kirche Bad Grund
- bei gutem Wetter im Antoniusgarten, Am Eichelberg 4 -
 
 

In einem feierlichen Gottesdienst wurden in der St. Antoniuskirche zu Bad Grund von Pastor Walter März aus St. Andreasberg konfirmiert: v.l.n.r. Helen Diener, Kilian Wagner, Rieke Scharf [Pastor Walter Merz], Nikola Röttger, Maximilian Krügener und Lara Hoffmeister. (Foto: Peter Schwinger)

 

Liebe Konfirmierte, liebe Eltern und Paten,

ich bin Karl-Hermann Rotte, Vorsitzender des Kirchenvorstandes und überbringe Euch den Gruß des Kirchenvorstandes im Namen der gesamten Kirchengemeinde Bad Grund. Das tue ich sehr gerne.

Was war das für ein Konfirmandenjahrgang, was war das für ein Jahr, in dem die Konfirmation vorbereitet wurde, was für Widerstände gab es? – 2 Meter Abstand, Maske tragen, singen, nicht singen, mit Maske singen, nur draußen singen? Nicht anfassen, nicht umarmen. Gebote – Verbote.       Hygienemaßnahmen, Händewaschen, Händedesinfektion, Hygienekonzept. Wie soll man bei diesen Vorgaben eine Konfirmation vorbereiten?

Online-Unterricht? Wo bleibt die Gemeinschaft? Wo bleibt das Zusammensein? Wo bleiben die sozialen Kontakte? Wo die Umarmungen, die Nähe, die Liebe? Auch auf das klassische KU-Camp musstet Ihr verzichten.

Stattdessen habt Ihr Euch nur über ZOOM am Bildschirm getroffen. Und doch gab es eine „Outdoor“-Aktion, die sich rund um die St. Antonius-Kirche abgespielt hat. Eine Art Schnitzeljagd mit dem Handy.

Ihr habt im Vorstellungsgottesdienst das Vaterunser und das Glaubensbekenntnis mit Euren Worten und Gedanken analysiert. Dennoch sind wir heute am Ende der Konfirmandenzeit angelangt – ihr habt es alle geschafft. Trotz aller Fragen, Widerstände und Schwierigkeiten seid ihr nun konfirmiert.

Im Namen des Kirchenvorstandes und der gesamten Kirchengemeinde darf ich Euch ganz herzlich zu Eurer Konfirmation gratulieren. Familienangehörige und Freunde sind heute von Nah und Fern hier in die St. Antonius-Kirche gekommen, um diesen für Euch besonderen Tag zusammen mit Euch zu erleben und gemeinsam mit uns Gottesdienst zu feiern. Ihnen allen ein herzliches Willkommen.

Gott, du stellst meine Füße auf weiten Raum.

Bevor ich mit diesen Grußworten begann, hörtet ihr dieses Lied, gespielt von Frau Hente auf der Orgel und gesungen von Eurer Konfi-Teamerin Alexandra Hinz.

Gott, du stellst meine Füße auf weiten Raum.

Ein paar winzig kleine Füße auf dem Weg in die große weite Welt. Erinnern Sie sich noch, liebe Eltern, an diese kleinen Füße vor 13, 14 oder 15 Jahren? Die ersten Schritte? Kleine, unsichere Schritte ins Leben. Aber Sie wussten ja, noch bin ich da, noch kann ich halt geben, auffangen, begleiten. Doch schon bald gingen diese kleinen Füße auf Entdeckungsreise – nicht immer nur zur Freude. Und bald gab es Schwellen, an denen es für Sie hieß, loszulassen und ihre kleinen Großen gehen zu lassen in den Kindergarten, in die Schule, in die Häuser der Freunde und Freundinnen, auf Freizeiten.

Und Ihr, liebe Konfis, habt es entdeckt, euer Leben in den letzten Jahren, und doch wart ihr nicht allein unterwegs auf weitem Raum. Sie waren da: Eure Eltern, Großeltern, Paten, Erzieher, Lehrkräfte, und sie haben Euch nach ihren Möglichkeiten geleitet und begleitet und Entscheidungen für euch getroffen.

Gott, Du stellst meine Füße auf weiten Raum.

Jetzt steht Ihr an der Schwelle zum Erwachsen werden, vor Euch liegt das Leben wie unbekanntes weites Land. Und es ist allein Eure Entscheidung, in welche Richtung Ihr geht. Das ist Freiheit – Freiheit, nach der Ihr Euch vielleicht schon oft gesehnt habt, wenn Euch zuhause oder in der Schule alles auf den Keks gegangen ist. Freiheit, die Ihr in Euren Träumen vielleicht schon gefühlt habt. Freiheit, die manchmal aber auch Angst macht, nicht nur Euren Eltern, sondern vielleicht auch Euch, auch wenn Ihr das nie zugeben würdet.

Gott, du stellst meine Füße auf weiten Raum.

Ihr wisst nicht, was Euch erwartet im Leben, was vor Euch liegt, womit der weite Raum gefüllt sein wird – mit Krankheit, Arbeitslosigkeit, Klimawandel und Naturkatastrophen oder mit Erfolg, mit Liebe, Aufstieg und Sicherheit. - Manches liegt in Eurer Hand, wie Ihr diesen Raum gestaltet und welche Richtung Ihr geht. Wenn Ihr heute Ja sagt zu Eurem Leben und zu Gott, dann habt Ihr Euch für eine Richtung, einen Weg entschieden, nämlich den Weg der Liebe.

Gott, stellt deine Füße auf weiten Raum.

Gott wird Euch niemals den Boden unter den Füßen wegziehen, er stellt Euch vielmehr auf weiten Raum, er traut Euch etwas zu, ihm seid Ihr wertvoll, ihm ist es wichtig, dass es Euch gibt.

So wünschen wir – der Kirchenvorstand und ich – Euch Gottes reichen Segen und seine Begleitung auf Eurem Lebensweg und heute einen wunderschönen Tag im Kreise Eurer Familien und Freunde.

Konfirmation, 6. Sonntag nach Trinitatis

Lassen Sie mich, lasst mich mit einem kleinen Rückblick beginnen. Diejenigen, die gestern im Gottesdienst waren, erinnern sich vielleicht: Es ging um den 23. Psalm, er gehört noch immer zum festen Bestand, der bis heute im Konfirmandenunterricht auswendig gelernt wird. Der Psalm beschreibt unser Leben in seinem –Auf und –Ab, zwischen grünen Auen und frischen Wasser und finsteren Tälern. Doch, so sagt uns der alte und berühmte Psalm: In allem ist Gott an unserer Seite. Das darf uns Mut machen, unseren ganz eigenen Weg zu suchen und zu finden und dann auch zu gehen. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere auch noch an das Lied von Alexa Feser:

Wenn dich das Leben niederstreckt
Und du liegst mit dem Gesicht im Dreck
Genau da fang an zu graben, denn dort liegt es verborgen
Genau da findest du das Gold von Morgen.
 

Doch, so wird man auch fragen, geht es im Leben wirklich in erster Linie nur darum, unseren eigenen Weg zu finden, darum, unser Ding zu machen, wie man so sagt? Genau an diesem Punkt möchte ich heute wieder einsteigen.

Die Vorstellung vom eigenen und besonderen Weg, die Idee vom eigenen Ding verbindet sich oft mit der Vorstellung, dass der Weg, den ich endlich finde, zu einem möglichst großartigen und perfekten Ziel führt. Vom Tellerwäscher zum Millionär, vom Schmuddelkind zum Popstar, oder in die Fußballnationalmannschaft, oder ins Bundeskanzleramt. Das gibt es. Aber oft haben diese großartigen Karrieren auch Seiten, mit denen wir nicht tauschen möchten. Jeder hat sein Kreuz zu tragen, wie man sagt. Aber dennoch ist die Vorstellung, dass alles perfekt sein müsste, nicht auszurotten. Auch dazu gibt es eine alte Geschichte:

Die alten Griechen erzählten sich, dass die Menschen früher einmal vier Beine und vier Arme gehabt hätten, dazu zwei Augen vorne und zwei Augen hinten. Sie waren kugelrund. Vielleicht kann man sie sich wie so einen Coronavirus vorstellen. Sie hätten sich Rad schlagend fortbewegt, also eher durch das

Leben gekugelt – so könnte man sagen. Im Vergleich zu uns heute Lebenden hätten sie über doppelt so viel Kraft verfügt. Und so trauten sie sich zu, den Aufstand gegen die Götter zu wagen und machten sich auf, den Olymp, den Götterberg zu erstürmen. Das konnten die Götter natürlich nicht zulassen, deshalb schnitten sie die Menschen nach dem für die Götter glücklichen Sieg in der Mitte durch. Dann war jeder nur noch eine Halbkugel. Über die riesige Wunde wurde Haut gezogen, die man in der Gegend des Bauchnabels zusammengebunden hatte, der Kopf wurde in seine jetzige Stellung gedreht, so dass die Menschen ihr Leben lang auf ihre Narbe schauen müssten. Der einst vierfach angelegte Mensch war nun halbiert und nur noch zweifach ausgestattet: mit zwei Beinen, zwei Händen, zwei Augen und zwei Ohren… und sein Leben lag auf der Suche nach seiner anderen Hälfte. So erklärte man sich unter den alten Griechen das Phänomen der Liebe.

Der Kreis, die Kugel ist in vielen Kulturen ein Symbol für Vollkommenheit. Das Besondere in der alten Geschichte: der vollkommene Mensch ist trotz seiner Vollkommenheit nicht zufrieden, sondern das erste, dass er tun muss, ist, sich gegen seinen Ursprung zu richten, die Götter anzugreifen. Vielleicht – so könnte man sagen – tut Vollkommenheit, tut Perfektion, tut ein Zustand, in dem alles gut ist, dem Menschen letztlich doch gar nicht so gut.

Erbaut euch auf zu einem Tempel aus lebendigen Steinen.-..,

so haben wir es aus dem ersten Petrusbrief gehört. Im Gegensatz zur Kugel ist der Stein eckig, kantig, er ist ein Bruchstück, ein Fragment. Um etwas Sinnvolles darzustellen, braucht er andere Steine neben sich. Steine: das klingt nach Baustelle. Viele Kirchen sind permanente Baustellen. Zumindest die, in denen ich arbeite und gearbeitet habe: Sankt Andreasberg – Heizung, Marktkirche – vieles gerade fertig, jetzt hängt es mit dem Weiterbau der Orgel, Altenau – Bänke neu gestrichen… Man wird nie fertig…

Aber vielleicht ist die Baustelle gar kein so schlechtes Bild für eine Kirche. Es gibt sogar eine Kirche, an der wird schon seit JAHRZEHNTEN, schon über hundert Jahren gebaut, und sie ist dabei eine der größten Sehenswürdigkeiten ihrer Stadt. Sagrada Familia in Barcelona. Der berühmte Jugendstilarchitekt Antoni Gaudi hat 1882 mit dem Bau begonnen. 2026 ist die Fertigstellung geplant. Aber ob das wirklich so sein wird, ist noch nicht sicher. Die halbfertige Kirche mit den riesigen Baukränen prägen das Stadtbild Barcelonas.

Und auch unser eigenes Leben gleicht manchmal eher einer Baustelle als einem strahlenden Prachtbau.

Erbaut euch auf zu einem Tempel aus lebendigen Steinen…

Aus Kugeln kann man nichts bauen. Die fallen auseinander. Nur Steine mit Kanten können einander halten und stützen. Johannes Calvin; einer der großen Theologen der Reformation hat einmal gesagt: Gott hat uns alle mit –Schwächen geschaffen – Damit wir einander brauchen. Eine Kirchengemeinde ist letztlich ein Netzwerk aus Menschen, die aufeinander angewiesen sind. Und wenn ich meine besonderen Gaben, meinen besonderen Weg entdecke, dann liegt darin immer auch eine Aufgabe, die ich für andere erfüllen soll. Und zugleich werde ich immer die Hilfe anderer Menschen in meinem Leben brauchen. Und das ist gut so. Menschen, die alles können und alles wissen, die kann man letztlich gar nicht lieben. Wir dürfen Schwächen in unserem Leben zugeben. Weil andere wissen dürfen und wissen sollen, wo sie für und da sein können.

Die Baustelle als Bild für unser Leben.

Eine Baustelle zeigt immer, dass hier der Zahn der Zeit nagt. Da wird etwas baufällig, da ist etwas kaputtgegangen. Auch das gibt’s im Leben. Da geht immer etwas kaputt – durch Fremdeinwirkung oder durch eigene –Schuld. Manchmal meint man vor einem Trümmerhaufen zu stehen: Wenn eine Beziehung in die Brüche gegangen ist, wenn man seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, die Schule wechseln muss… Ich hab so einige Baustellen im Leben, sagt man von den Dingen, die sich eigentlich ändern müssten. Aber manchmal kriegt man das einfach nicht hin. Oft verstecken Menschen diese Baustellen, tun so, als ob alles perfekt wäre, versuchen nach außen eine heile Fassade zu zeigen. Wie befreiend wäre es doch, wenn wir viel einfacher zugeben könnten: Ja, da stehe ich vor einem Trümmerhaufen, und ich brauche Menschen, die mich trotzdem lieben. Und ich brauche Gott, der dennoch zu mir steht. Und wie gut, dass Gott genau das tut.

Die Baustelle als Bild für unser Leben miteinander:

Die Baustelle zeigt, dass da etwas noch nicht fertig ist. Es ist noch im Bau. Die Romantiker in der Kunst haben das Unvollendete geliebt. Der große Maler Caspar David Friedrich hat mit Vorliebe Ruinen gemalt, in den Gärten der Romantik, etwa in den Gärten Wilhelmshöhe in Kassel, hat man sogar Ruinen nachgebaut, Franz Schuberts 8.Sinfonie – er konnte bis zu seinem Tod nur zwei der vier Sätze komponieren, ist als unvollendete Sinfonie weltberühmt geworden. Ganz ähnlich ist es mit der Kirche in Barcelona. Was war das Faszinierende daran? Das Unvollständige zeigt auf etwas, dass es sein könnte, aber noch nicht ist. Das lädt zum Träumen ein. Wenn alles fertig wäre, könnten wir gar nicht mehr hoffen, da gäbe es keine Neugierde auf das, was einmal wird. Dann wären wir fertig mit allem. Und „fertig sein“ heißt in der Umgangssprache immer auch, am Ende, nicht mehr richtig lebendig sein. Also: lieber eine lebendige und neugierig machende Baustelle als vollkommen fertig sein. Denn wir sind noch nicht am Ziel. Gott hat noch viel mit uns vor. In diesem Leben und auch darüber hinaus.

Erbaut euch auf zu einem Tempel aus lebendigen Steinen:

Ihr dürft Menschen mit Ecken und Kanten sein. Damit euch andere brauchen können, genau so wie ihr seid. Glatt geleckte Menschen gibt’s genug. Damit auch ihr andere brauchen könnt. Im Kindergarten singe ich manchmal mit den Kindern das sogenannte Kindermutmachlied. Vielleicht erinnert ihr euch: „Wenn einer sagt ich brauch dich du, ich schaff es nicht allein, dann kribbelt es in meinem Bauch, ich fühl mich nicht mehr klein“. Und was für Kinder gilt, gilt in aller Regel auch für Erwachsene. Wenn wir denn noch ein bisschen Kind in uns bewahren konnten. Gebt anderen Menschen die Chance, für euch da sein zu können. Steht dazu, dass es im Leben auch die Erfahrung von Schuld und Misserfolg gibt. Dass ihr eure Baustellen habt. Dass ist besser und auch liebenswerter als so eine Glitzerfassade. Und zu guter Letzt: Bleibt neugierig und offen. Denn das Leben ist und bleibt spannend. Und wenn einen bei all dem auch mal der Mut verlässt: Wir dürfen ganz sicher sein, dass wir an der Hand Gottes gehen und nie tiefer fallen können als in seinen Schoß. Amen.

Pastor Walter Merz, St. Andreasberg

Liebe Konfirmanden, liebe Eltern, liebe Patinnen und Paten, liebe Gemeinde,

was geht einem am Vorabend der Konfirmation so alles durch den Kopf? Vielleicht erstmal: ob das Morgen alles so klappt, wie man es geplant hat. Sicherlich Vorfreude. Erinnerungen. Als Erwachsene vielleicht: wie schnell ist doch die Zeit vergangen, jetzt sind sie schon so groß. Als Konfirmanden vielleicht: Rückblick auf die Zeit miteinander, auf den Unterricht, das digitale Konfirmandencamp, auch auf alles, was in dieser Coronazeit schmerzlich vermisst wurde.

Wir haben am Beginn des Gottesdienstes den 23.Psalm miteinander gesprochen. Ihr habt ihn auswendig gelernt. Das verbindet euch mit den Konfirmanden, die das Generationen vor euch gemacht haben. Wenn ich zu Sterbenden gerufen werde, dann bete ich häufig diese Worte mit ihnen. Es sind Worte, die sie dann noch erreichen, ich sehe wie sie ihre Lippen dazu bewegen.

Frisches Wasser und grüne Auen: Das klingt nach Sommer und Urlaub.

Finsteres Tal: Manchmal ist das Leben mühsam und anstrengend.

Im Angesicht meiner Feinde: manchmal hat man auch mal Stress miteinander

Gedeckter Tisch: Für uns so normal, dass wir uns keine Gedanken darüber machen müssen. Und dennoch ist es schön, zusammenzusitzen, miteinander zu essen, es gemütlich zu haben.

Der Psalm lebt von seinen Bildern. Und jeder kann sein Leben in ihnen unterbringen.

Frisches Wasser und grüne Auen: Manchmal kann man sich gar nicht satt sehen an so viel Schönheit und muss einfach nur staunen: über die Natur, über die Menschen; über so viel unverschämtes Glück.

Finsteres Tal: leider bleiben einem auch diese Erfahrungen nicht erspart. Da hat man sich unsterblich verliebt, aber die Liebe wird nicht erwidert. Man möchte gar nicht mehr leben, so weh tut das. Oder: man kriegt in der Schule einfach nicht die Kurve. Und man hat keine Idee, wie man das ändern kann. Oder man muss miterleben, wie die eigene Familie in die Brüche geht. Es ist so, als ob alles einstürzt. Da türmen sich Berge vor einem auf, und man weiß nicht, wie man da rüber kommen soll.

Warum kann es im Leben nicht einfach nur schön sein, warum dieses Auf und Ab? Es gibt drei Möglichkeiten, darauf zu reagieren.

Die einen zucken mit den Schultern und sagen: so ist das eben, da muss man einfach durch.

Die Anderen versuchen das Unangenehme und Schmerzhafte unter allen Umständen zu vermeiden.

Die sagen nicht: ich hab dich lieb – man könnte ja einen Korb bekommen. Die sagen überhaupt nicht, was sie denken, man könnte ja anecken. Sie denken bei allem an das gesundheitliche Risiko, an die möglichen Gefahren. Mal etwas Verrücktes ausprobieren? Um Himmelswillen, wo käme man denn da hin. Das sagen alle, die nie dahingehen, wo man sehen könnte, wo man hinkäme.

Mit den Jahren merkt man, dass man die finsteren Täler nicht ganz vermeiden kann. Sie kommen. So oder so. Es muss also viel eher darum gehen heraus-zubekommen, wie man gut mit ihnen umgeht. Denn alles ist zu irgendetwas gut. Im Jesajabuch gibt es einen Vers, der mit viel bedeutet. Da heißt es: Gott spricht, meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und meine Wege sind nicht eure Wege. Sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken höher als eure Gedanken. (Jes. 55,10).

Es gibt eine alte jüdische Geschichte, die man sich unter den Juden in Polen erzählte. Da war ein armer Jude aus Krakau, Eisik Sohn Jekel hieß er, der träumte eines Nachts, dass unter der Brücke in Prag ein Schatz vergraben liegen sollte. In seiner Not machte er sich auf den weiten Weg von Krakau nach Prag. Das letzte Stück Brot war bald aufgegessen und irgendwann kam er in Prag an, ausgehungert und zerlumpt. Doch es war überhaupt nicht daran zu denken, unter der Brücke zu graben. Denn die Brücke wurde von Soldaten gut bewacht. Jeden Morgen kam Eisik zu der Brücke, um zu sehen, ob sich eine Chance bieten würde. Doch immer waren die Soldaten vor ihm da. Irgendwann fiel er einem der Soldaten auf. „Hey du, Jude, was suchst du hier?“ rief ihn einer der Soldaten an. Eisik erzählte ihm von seinem Traum und dem Schatz unter der Brücke. Der Soldat fing an herzlich zu lachen und antwortete: „Da schlotterst du vor Hunger und Kälte und bist einem Traum nachgelaufen? Pass mal auf, was ich dir erzähle. Neulich habe auch ich so einen Traum gehabt. Im Ghetto in Krakau, würde ein Jude wohnen, Eisik Sohn Jekel soll er heißen, und unter seinem Ofen soll ein Schatz vergraben sein. Und da soll ich nach Krakau gehen ins Ghetto, wo die eine Hälfte der Juden Eisik und die andere Jekel heißt und unter all den Bretterbuden graben. Geh nach Hause und lass das Träumen.“ Das ließ sich Eisik natürlich nicht zweimal sagen, lief nach Hause, so schnell er konnte, grub unter seinem Ofen und barg den großen Schatz.

Scheinbare Irrwege erweisen sich als Umwege. Und manche Umwege sind die einzige Möglichkeit, das Glück zu finden-.

Um was geht es im Leben? Dass man möglichst ungeschoren durchkommt? Dass immer alles leicht und problemlos läuft? Oder darum, dass man etwas entdeckt? Freundschaft und Liebe, vor allem auch die eigenen Begabungen. Das, wofür man auf dieser Welt ist? Was ist eigentlich wirklich unser Ding? Was sollten wir im Leben unbedingt tun? Wo schlägt mein Herz. Das sollte man sich im Leben immer mal wieder fragen.

Und der Weg, der zur Antwort führt, der ist ein Weg durch grüne Auen und finstere Täler, da lässt sich Streit nicht immer vermeiden. Da gibt es Stationen und Begegnungen, an denen wir auftanken können. Davon erzählt der alte Psalm: Du, Gott, schenkst mir voll ein. Davon erzählt das Jesajabuch: Meine –Wege sind höher als eure Wege, sagt Gott. Manche Wege verstehen wir erst im Nachhinein.

Traut euch Umwege, traut euch Irrwege, traut euch, auch mal auf die Nase zu fallen.

Neulich habe ich ein Lied von der österreichischen Sängerin Alexa Feser entdeckt. Es heißt Gold von Morgen. Alexa Feser singt:

Wenn dich das Leben niederstreckt
Und du liegst mit dem Gesicht im Dreck
Genau da fang an zu graben, denn dort liegt es verborgen,
genau da findest du das Gold von Morgen.
In diesem Sinne: Traut euch, seid mutig und neugierig. Und vertraut Gott, der mit euch auf eurem –Weg ist.

Amen.

(Pastor Walter Merz, St. Andreasberg)

Geimeinsam wurde nach dem Gottesdienst das Abschlusslied gesungen. (Foto: Rotte)

 

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