Wir freuen uns auf die nächsten Gottesdienste und ein Konzert (Aktuelle Corona-Regel beachten):
 
Heiligabend, 24. Dez., 14:30 Uhr und 18:00 Uhr auf dem Kirchplatz der St. Antonius-Kirche
Heiligabend, 24. Dez., 16:00 Uhr und 21:30 Uhr in der Maria-Magdalenen-Kirche in Wildemann
2. Weihnachtstag, 26. Dez., 10:00 Uhr in der Maria-Magdalenen-Kirche in Wildemann
2. Weihnachtstag, 26. Dez., 17:00 Uhr in der St. Antonius-Kirche in Bad Grund
 
- Änderungen vorbehalten -
 

 Liebe Gemeinde!

Es ist Advent. Advent bedeutet Zeit des Wartens, warten darauf, dass etwas Wesentliches kommt, dass der Wesentliche zu uns kommt. Da stellt sich nun die Frage, auf wen oder was warten wir in unserem Leben? Was ist unsere persönliche Erwartung im Advent? Wie sieht unsere Hoffnung im Hinblick auf Weihnachten aus? Was ist unsere Hoffnung auf Gott? Worauf kommt es an? Worauf kommt es an in unserem Leben?

Sehen Sie jetzt doch bitte das Bildchen, das wir im Gottesdienst ausgeteilt haben. Es ist eine Ikone aus der Orthodoxen Kirche – „Maria im Advent“ möchte ich sie nennen.

Ikone: Albertus teolog, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons

Der traditionelle Name lautet: „Die Gottesmutter vom Zeichen“.

Diese Ikone unterscheidet sich von den meisten Bildern von Maria und dem Kind, denn Maria hat das Jesuskind nicht auf dem Arm. Auch sieht Jesus nicht wirklich aus wie ein Baby. Jesus ist zwar eine kindliche Gestalt, zugleich aber auch eine zeitlose Gestalt. Auffällig ist die Zentrierung. Der Herzbereich der Maria ist ausgefüllt, ja erfüllt von der Christusgestalt in ihrer Mitte. Dabei beruft sich der Ikonenmaler auf das Wort des Propheten Jesaja: „Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären, und sie wir ihm den Namen Immanuel geben, das bedeutet „Gott ist mit uns“.

Immanuel – der „Gott ist mit uns“ ist der Mittelpunkt des Bildes, Immanuel – der „Gott ist mit uns“ ist der Mittelpunkt im Leben der Maria, Immanuel – der „Gott ist mit uns“ will der Mittelpunkt auch in unserem Leben sein. Die Gebärde der Maria, also wie sie ihre Hände hält, ist die Haltung des Gebets in der frühen Christenheit.

Die Germanen hier in unserer Gegend haben die Hände zum Gebet gefaltet. Das war ein Zeichen der Unterwerfung: Hände, die man faltet, benutzt man nicht für den Krieg. Gefaltete Hände waren so etwas wie eine Geste der Unterwerfung unter den obersten Kriegsherren. Im Mittelmeerraum hat man mit erhobenen Armen und mit geöffneten Händen gebetet. Diese Gebetshaltung mit den weit ausgebreiteten Armen bringt die vorbehaltlose Offenheit und Hingabe an Gott zum Ausdruck. Wenn Sie in einer stillen Stunde diese Gebetshaltung einmal ausprobieren, dann werden sie merken: In dieser Haltung wird das Herz weit, man bekommt wieder Luft, man kann ganz anders atmen!

Ikonen sind in der Orthodoxen Kirche Objekte der Verehrung. Bei uns hier im Westen sind sie in den letzten Jahren zu beliebten Meditationsbildern geworden.

Maria zeigt uns ihren Sohn, sie hält ihn uns entgegen, damit auch wir ihn einziehen lassen in unsere Herzen und durch ihn und mit ihm zu leuchtenden Zeichen in der Welt werden – ohne Angst vor inneren und äußeren Problemen.

Jemand stellte einmal die Frage an einen orthodoxen Christen, in welcher Verfassung er diese Ikone aufsuche und er antwortete: „Wenn ich innerlich zerrissen bin und unentschlossen zwischen zwei Möglichkeiten hin- und her pendle, wenn ich nicht weiß, wie es weitergehen soll.“ Solche Situationen kennen wir zur Genüge – in großen Lebenskrisen, aber auch in den kleinen Entscheidungen, die uns der Alltag abverlangt.

Stellen wir uns in solchen Situationen einmal ruhig hin, vielleicht können wir sogar die Arme zu Himmel heben. Konzentrieren wir uns dann auf unsere Mitte und bitten wir Gott, dass ER unsere Herzen hell machen möge, ja dass er seine Gegenwart in unserer Mitte aufleuchten lässt.

Die Ikone zeigt: Gott wohnt in Maria. Gott will auch in unserer Mitte wohnen. Der tiefste Sinn von Weihnachten ist die Geburt Gottes in unseren Herzen.

Wir hoffen auf dieses und jenes zum Weihnachtsfest. Wir erwarten dieses und jenes im Leben.Manch einer hat auch keine Erwartungen mehr. Er hat seine Hoffnungen begraben. Wie kann unser Leben gut und glücklich werden? Diese Frage treibt die meisten Menschen um. Richtig gut wird unser Leben, wenn wir Christus in unserem Herzen Raum geben. Erfüllt und glücklich werden wir sein, wenn Christus aufstrahlt in unseren Herzen.

So singen wir in unserem Adventslied „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit.“ Da heißt es in er 5. Strophe: „Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzenstür die offen ist…“ Das ist die Hoffnung der Maria im Advent. Das darf heute auch unsere Hoffnung sein.

Was nutzt es, wenn Jesus vor 2000 Jahren geboren worden ist, und ich selber habe nichts damit zu tun? Wenn sich das Kommen Jesu ausschließlich damals, in grauer Vorzeit in einem fernen Land ereignet hätte – was ginge es mich an? Ich lebe doch heute – fern ab von Israel! Diesen Gedanken bringt auch Angelus Silesius in seinem bekannten Vers zum Ausdruck: „Und wäre Christus 1000 x in Bethlehem geboren - und nicht in dir, du bliebest ganz und gar verloren.“

Wenn unser Herz leer bleibt und das Eigentliche – der Eigentliche - uns nicht tangiert, dann füllt sich die innere Leere mit allem Mögliche und Unmöglichen, ganz besonders in der Weihnachtszeit:

  • Dann tritt Hektik an die Stelle von Stille
  • Weihnachtsmänner und auch halbnackte Weihachtsfrauen versuchen uns ein wenig Spaß zu bringen
  • Der Konsumrausch erfasst ein ganzes Land -
  • Oder der Frust darüber, dass uns die Pandemie Grenzen aufzeigt.
  • Die Erwartungen an Harmonie in der Familie steigern sich in Unermessliche
  • Teure Geschenke stehen im Mittelpunkt des Interesses, von denen nach Weihnachten ein Gutteil wieder umgetauscht wird
  • Und das Übermaß an Essen und Trinken endet nach den Festtagen mit einem bösen Erwachen auf der Waage.

Die Bibel spricht von einer ganz anderen weihnachtlichen Dimension:

Durch den Glauben wohne Christus in euren Herzen! (Eph. 3,17)

„Schön gesagt!“ mag man da denken, „aber für mich gilt das nicht. Ich bin so weit weg von Glaubensdingen. So weit weg vom lieben Gott. Was soll ich mit diesen frommem Gedanken?!“

Solche Fragen (gerade in der Adventszeit) finden ihre Antwort in der Natur: Draußen ist alles kahl und es wird immer dunkler. Die Natur ist wie tot. Und doch wissen wir, die kahlen Zweige werden wieder Blüten tragen. Darum singen wir mitten im Winter „Es ist ein Ros entsprungen“.

Der Prophet Jesaja benutzt  Bilder des Trostes:  Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein großes Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt es hell: Denn es ist uns ein Kind geboren, uns zum Heil ein Sohn geschenkt!

Gott wird auch unsere Finsternis wieder hell machen. Er kann Abgestorbenes in uns zum Grünen und Blühen bringen und unseren vertrockneten Glauben wieder zum Sprudeln: Christus ist für uns geboren worden. In dieser Adventszeit will er in unseren Herzen Gestalt annehmen.

Wir sind getauft. Jesus hat uns bei unserer Taufe versprochen: Ich bin mit dir - alle Tage – bis ans Ende der Zeiten. Christus hat seit unserer Taufe bereits Wohnung in uns genommen.

Die Ikone von der Maria im Advent will bewirken, dass wir aufmerken und erkennen: Gott lebt schon in mir. Er möchte, dass ich ihn da sein lasse, dass ich ihn in mir leben, wirken, hervortreten lasse. ER ist mein Wesensgrund. Er möchte, dass ich ihn als meinen Wesensgrund immer deutlicher erkenne.

Alles, was wir brauchen, ist schon in unserem Herzen präsent. Wir müssen eigentlich nichts machen, sondern weiter da leben, wo Gott uns hingestellt hat. Ausschlaggebend ist unsere Sehnsucht nach Gott – nach Gott und nicht nach diesem und jenem, was uns an Weihnachten Glück bescheren soll. Der Schatz des Himmels ist in uns. Deshalb gilt es aufzuhören, überall herum zu suchen. Wenn Christus in mir lebt und ich in ihm, dann ist sein Leben mein Leben - und mein Leben sein Leben. So sehen wir es bei der adventlichen Maria auf der Ikone.

Und das möge auch uns immer mehr zur Erfahrung werden: Gott ist mit mir!

Möge diese Gewissheit in der Adventszeit in uns wachsen!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Pastorin Astrid Schwerdtfeger

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